Text über die Vorführung in Frankfurt

Reaktionen auf die Vorführung am 8.12.2010 von Heide Schlüpmann

Liebe Deborah,
vielen Dank nochmals, daß Du mit Deinen Filmen nach Frankfurt gereist bist. Es war ein wunderschöner Abend.
Ich habe noch etwas nachgedacht und schicke Dir hier einfach eine kleine Gedankensammlung.
Die Filme sind visuelle Erlebnisse – und akustische -, ein Religiöses nehme ich zunächst nicht wahr (was ja durch die Rabbinerin in den Abend hineingebracht wurde, etwas Hinzugefügtes war, und zugleich eine Beziehung setzte, die sicher in Deinen Filmen da ist). Das „Unverständliche“ hat vielleicht wirklich mit dem Bezug  zu jüdischen Ritualen, Lebensriten – Kindheitserfahrung – darin zu tun. Und damit, daß sie nicht zu „Verständlichkeit“ identifziert werden. Und gut so. Ich würde auch eher von etwas Rätselhaftem, einem Rätsel sprechen.
Ist eine Sehnsucht nach dem „Zuhause“ in den Filmen? (oder interpretiere ich das jetzt?) – „Orte“ ist ein Thema, zugleich Ortlosigkeit. Der Tempel, die Moschee, der „Himmel“ in Mosaïc. Der Himmel gar nicht jenseitig und doch mit der Sehnsucht gefüllt, das körperliche Streben nach oben, Umkreisen, sich in das Kreisen hineingleiten lassen, Taumel?
Orte – das Gelobte Land ist nicht in Israel. eher in der Hermannstraße, Herman(n), die Mutter, die Straße, in der ich lebe. Der rote Himmel, unerwartet für eine Augenblick, die Überbelichtung, der Blick nach oben; und dann wieder der Junge, der über die Straße rudert. Das Land ist kein konkreter Ort – oder die Orte alle, die Du besuchtest, ist auch kein Jenseits, ist die Transformation des Ortes, an dem ich lebe, Transformation durch Montage, Überlagerungen, Transparentwerden, Verdichtung.
Beim Sehen: zunächst das Staunen, die Faszination durch Farbe und Licht. Rätseln dann.
So weit.
Liebe Grüße,
Heide

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